Mittelalterlich kostümierte Menschen jeden Alters, Sackpfeifenmusik und allerlei Zelte mit den verschiedensten Waren und Handwerkern. Wieder einmal war es soweit: Auf Schloss Broich und im angrenzenden Müga-Park fand am Wochenende das vierte Broicher Ritterturnier statt. Das Wetter meinte es dieses Mal nicht besonders gut mit den Fans der Welt vor 800 Jahren. Es war sehr wechselhaft mit Regen, Sonne und viel Wind. Erstmalig begann die Veranstaltung bereits am Freitag. Es wurde zum Tavernenabend geladen, doch das Wetter machte den Veranstaltern das Leben schwer. Gegen Abend regnete es Bindfäden, so dass der Schlossinnenhof kaum genutzt werden konnte. Am Samstag war es nur unwesentlich besser. Gegen halb zwei setzte Nieselregen ein, der zwar nicht lange anhielt aber doch stetig zurückkehrte. Die Besucher hielt das schlechte Wetter jedoch nicht ab. Jede Altersgruppe war vertreten und die meisten Angereisten waren verkleidet. Allem voran gab es natürlich Ritter zu sehen. Darüber hinaus aber ebenso Burgfräulein, Kaufleute, Musikanten und sogar einen Bettler, der sich über das gesamte Gelände bewegte, gerade noch hier saß und wenig später schon dort um ein paar Taler bat.
Die Anzahl der Verkaufsstände und Wohnzelte war überwältigend. Das gesamte Areal zwischen Schlosstor, Volkshochschule und Ringlokschuppen war randvoll mit mittelalterlichen Unterkünften. Ein Schmied war genauso zu sehen, wie mehrere Lederwarenhändler. Es gab Stände, an denen Holzteller und -löffel feilgeboten wurden, solche mit Gürtelschnallen und Schmuck, einen Stand für Ritterbedarf und auch einen Schuhmacher, der seine Produkte anbot. Das Angebot an Essen war so vielfältig, dass man unmöglich alles probieren konnte. Aber auch Neuzeitliches konnte erworben werden: CDs und DVDs, sowie Bücher und Periodika zu mittelalterlichen Themen wurden zudem angeboten.
Texte in mittelhochdeutsch
Im Innenhof war die große Bühne aufgebaut, auf der über den Tag verteilt mehrere Musikgruppen auftraten. Eine davon war "Frendskopp", eine elfköpfige Band, die, von Sackpfeifen und Trommeln begleitet, mittelalterliche Klänge zu Gehör brachte. Dabei wurden nicht nur Instrumente gespielt, es wurde auch gesungen. Zwischen den einzelnen Liedern gab sich einer der Musikanten sogar Mühe, die Zuhörer mit mittelalterlich klingender Sprache zu unterhalten.
Ein weiterer Höhepunkt - gerade für die kleinen Besucher - war Bertholder, der Erzähler. "Diese Art von Erzählung kennt man heute gar nicht mehr!", führt Harry Rischar aus. Er erfindet nichts, sondern erzählt Geschichten, die tatsächlich aus mündlichen Überlieferungen stammen. Die Gebrüder Grimm gehören genauso zu seinem Repertoire wie auch Geschichten aus 1001 Nacht und aus keltischer Tradition. Kurzum: Es gab für jeden mehr als genug zu erleben und bestimmt wird es ein fünftes Broicher Ritterturnier geben. (APW)
07.08.2005